Kriegs-, Krisen- und Reichensteuer. Die Besteuerung von privatem Reichtum und Unternehmensgewinnen in der Schweiz

Bis 1915 erhob der schweizerische Bundesstaat keine direkten Steuern. Jeder Versuch dazu war am Widerstand der Pro-Föderalisten und der bürgerlichen Mehrheit gescheitert. Doch der Krieg veränderte die Perspektiven. Das Projekt einer ausserordentlichen eidgenössischen Kriegssteuer, die primär auf den Vermögen erhoben würde, stiess auf breiten Konsens: „Es ist eine Steuer mit einer Staffelung nach oben, wie sie für eine gewöhnliche, sich wiederholende Steuer nicht gerechtfertigt wäre. Für ein einmaliges Opfer ist sie es; für eine ständige Einrichtung wäre sie es nicht“, legitimierte ein freisinniger Sprecher im Ständerat die Bedingung für die bürgerliche Zustimmung. Zu einer vergleichbaren Debatte um redistributive Besteuerung kam es im Zuge der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre. Eine äusserst populäre Volksinitiative der Gewerkschaften für eine Krisensteuer wurde in nur leicht abgewandelter Form als Krisenabgabe (1934-40) umgesetzt. Gegenüber der Kriegssteuer verschob sich der Fokus auf die (grossen) Einkommen. Die Krisenabgabe wurde auch zum Modell für die Wehrsteuer im Zweiten Weltkrieg. Mit der Perpetuierung der Wehrsteuer als direkte Bundessteuer stellte sich die Frage nach ihrem Charakter: Wie sehr sollte sie „class tax“ bleiben? Oder zur „mass tax“ werden? In den „langen 1960ern“ nahmen die Versuche, auch im Kontext ansteigender Inflation, zu, das Umverteilungsprofil der direkten Bundessteuern wieder zu schärfen. Der Beitrag diskutiert, weshalb dies, trotz einsetzender Rezession, im Unterschied zu den Krisen des frühen 20. Jahrhunderts nur bedingt gelang,

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