Anstaltslandschaft «administrativer Versorgungen» in der Schweiz. Die (digitale) Sichtbarmachung eines umfassenden Internierungsapparats

Zuschreibungen wie «arbeitsscheu», «trunksüchtig» und «liederlich» stellten die Auslöser dar, mit denen die administrative Versorgung von Menschen in verschiedene Einrichtungen eingeleitet und gerechtfertigt wurde: «Auffällige» Menschen sollten von der Gemeinschaft räumlich getrennt, nacherzogen und anschliessend wieder in dieselbe integriert werden. Dafür wurden Einrichtungen aus den Bereichen «Erziehung», «Sicherung» und «Therapie» gewählt.

Ein funktionierender Internierungsapparat stellte ein Ordnungsinstrument gesellschaftlicher Machtansprüche dar, das Ungleichheiten auf unterschiedlichen Ebenen förderte. Kommunale und kantonale Behörden entwickelten zur Erreichung dieses «gesellschaftserhaltenden Ziels» unterschiedliche Strategien. Nicht zuletzt deshalb, weil sie mit einer individuellen bzw. spezifischen Ausgangslage konfrontiert waren: Strafanstalten, Arbeitshäuser und psychiatrische Einrichtungen waren kostenintensiv und nicht in jedem Kanton vertreten. In der Folge wiesen die Entscheidungsträger Kantonsbürger auch in ausserkantonale Einrichtungen administrativ ein, wodurch ein interkantonales Netzwerk entstand.

Mit dieser Bestandesaufnahme machte die Unabhängige Expertenkommission die rund 650 Einrichtungen zur administrativen Versorgung sichtbar, bezeichnete verantwortliche Behörden und rekonstruierte interkantonale Zusammenarbeiten (vgl.: https://www.uek-administrative-versorgungen.ch/interactivereport/de/). Mittels interaktiver Karten und Visualisierungen wurde das räumliche und zeitliche Verständnis der administrativen Versorgung vertieft. Der Beitrag bietet einen Einblick in die Anstaltslandschaft und diskutiert die Chancen und Risiken quantitativer Quellen, deren Auswertung und Vermittlung. Anstaltslandschaft und diskutiert die Chancen und Risiken quantitativer Quellen, deren Auswertung und Vermittlung.

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