Reichtum und Architektur. Überlegungen eines ganzheitlichen Verständnisses architektonischer Bildsprache

Dass zwischen Wirtschaft und Architektur ein enger Zusammenhang besteht, beschäftigt die Forschung seit längerem.[1] So wurden viele Bauten, deren Auftraggeber aus den römischen Oberschichten meist bekannt sind, zum Zweck geschaffen, Wirtschaftstätigkeiten zu optimieren. Spätestens seit den Studien U. Fellmeths zur wirtschaftlichen Funktion der stadtrömischen Forumsbasiliken besteht in der Forschung eine neue Sicht auf derartige Zusammenhänge; Voraussetzung für ein vertieftes Verständnis eines Wirtschaftsbautyps stellt dabei die detaillierte Kenntnis wirtschaftlicher Prozesse dar.[2] Umgekehrt ist zu fragen, ob die Funktion eines Bauwerks aufgrund seiner Architektur erkennbar ist.[3]

Mein Beitrag zeigt auf, dass dem so ist, da Architektur immer kommuniziert. Es wäre jedoch falsch zu denken, dass diese Sprache als reines Assoziationsspiel zu deuten wäre. Stattdessen sollte für die Verwertung von Architektur ihre mediale Funktion und ihr Entstehungsprozess unter Berücksichtigung der Intention der Bauherrn und der Reaktion der Rezipienten in die Analyse mit einfließen. Nicht grundlos versteht der Schriftsteller V. Hugo Architektur als „steinernes Buch der Menschheit“[4].

[1] A. Markus, Funktionen republikanischer und frühkaiserzeitlicher Forumsbasiliken in Italien, Heidelberg 2005; U. Fellmeth, u.a. (Hg.), Wirtschaftsbauten in der antiken Stadt. Internationales Kolloquium 16.-17. November 2012 Karlsruhe, Karlsruhe 2016.

[2] U. Fellmeth, Die wirtschaftlichen Funktionen der ersten stadtrömischen Forumsbasiliken, in: H.-J. Drexhage; C. Schäfer; K. Ruffing u.a. (Hg.), Marburger Beiträge zur antiken Handels-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte 29, Rahden 2011, 1-27; U. Fellmeth, Antike Wirtschaftsbauten in der aktuellen Wirtschaftsgeschichtsschreibung, in: U. Fellmeth, u.a. (Hg.), a.a.O., 28.

[3] K. Ohr, Differenzierte Funktionen früher römischer Basiliken, eine neue These, in: Fellmeth, Ulrich u.a. (Hg.), a.a.O., 89.

[4] V. Hugo, Der Glöckner von Notre Dame, Zürich 1996.

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