Genossenschaftlich-republikanische Demokratiekonzeption: zwischen Naturrecht und Prozeduralismus

Das Menschenbild bildet die fundamentalste Grundlage einer politikphilophischen Auseinandersetzung. Der genossenschaftliche Republikanismus widersetzt sich interessanterweise bereits auf dieser Ebene der klassischen Gegenüberstellung negatives (Realismus) versus positives (Idealismus) Menschenbild. Er anerkennt die Ambivalenz bei der Frage, ob der Mensch von Grund oder von Natur aus gut oder schlecht ist. Somit ist bei ihm stringent der Gegensatz vieler bei anderen Denktraditionen enthaltener Überbetonungen des Individuums oder des Kollektivs ausbalanciert. Ich würde von einem ganzheitlichen Menschenbild sprechen. Die hohe und unantastbare Würde des Menschen ergibt sich gerade aus der individuellen und kollektiven Ergänzungsbedürftigkeit, Fehlbarkeit und Unzulängiglichkeit des Menschseins. Zudem werden neben der Rationalität auch die Emotionalität und Körperlichkeit der Person mitberücksichtigt. So wird auch das Thema Selbstregierung im Sinn der Menschenwürde interpretiert. Wenn man von Menschenrechten und der Gleichwürdigkeit aller Mitmenschen ausgeht, darf die Partizipation nicht als nachgelagert betrachtet werden.

Davon ausgehend werde ich auf der philisophischen Ebene über die Themen Personalität und Relationalität, Freiheit und Gleichheit, sowie über die Skepsis sprechen, und auf der soziopolitischen Ebene über Zivilgesellschaft und Einbettung, Subsidiarität und das Volksverständnis. Auf der staatlich-institutionellen Ebene geht es primär um ein antipyramidales Staatsverständnis, Demokratie als Antimacht, normative und umfassende Partizipation, Prozeduralismus, multidimensionale und temporale Machtteilung verstanden als Separation und Verschränkung der Gewalten.

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