Reich durch Ämter - und umgekehrt

Geld ist Macht. Reichtum nimmt Einfluss auf die Politik. Aber wie? Keine Regel ohne Ausnahme. Paul Wagner stieg 1932 als fünfzehnjähriger Hilfsarbeiter in Zunzgen (BL) bei der Basler Eisenmöbelfabrik AG ein, die er fünfzig Jahre später als Maschinist verliess. Sein Fleiss verhalf ihm zu politischen Ämtern und einem bescheidenen Einkommen. 1950-57 engagierte sich der Sozialdemokrat als Gemeinderat, 1953-75 als Landrat und 1963-87 als einziger Arbeiter im Nationalrat. Sein Stichentscheid als Kommissionspräsident leitete die gesetzlichen vier Wochen Ferien für alle ein. So ein aussergewöhnlicher Aufstieg wäre heute wohl lukrativer und noch schwieriger. Zumal immer mehr Eigenkapital nötig ist, um höhere politische Ämter zu erlangen. Michael Hartmann (2018) stellt das in seiner Studie über „Die Abgehobenen“ im internationalen Vergleich fest. Sein Befund dürfte laut „macht.ch“ (Mäder 2015) auch bei uns bzw. für die „Schweizer Wirtschaftseliten“ (Mach et al. 2017) gelten. Wie Reichtum zu Macht führt, ergründete schon Max Weber. Ein erweitertes Machtverständnis (Bourdieu u.a.) deutet neue Möglichkeiten an, über Ämter zu Reichtum zu kommen und kulturelles Kapital in viel Geld zu transformieren. Dank erworbener Position lassen sich über Netzwerke und Prestige selbst erhebliche finanzielle Verluste kompensieren. Geltende Rahmenbedingungen tragen dazu bei. Biographische Zugänge dokumentieren, wie sich in der Schweiz soziale Gegensätze seit Ende der 1980er-Jahre verschärfen. Diskursanalysen erhellen, wer die extreme Kluft wie legitimiert. Was dahinter steckt, decken Analysen konkurrierender Interessen auf. Sie verweisen auf systemische Veränderungen und darauf, wie ein finanzgetriebenes Verständnis das politisch liberale überlagert und demokratische Prozesse unterläuft.

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