Das Klima der Moderne. Beobachtungen des Klimawandels als Zeitdiagnosen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Debatten um das Klima bestimmten um 1900 zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen. Neben der Beschreibung unterschiedlicher Klimaten und deren Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hatte sich, nicht zuletzt durch die intensive Erforschung der Eiszeiten in der Geologie, die Gewissheit durchgesetzt, dass das globale Klima Schwankungen oder sogar einem grundlegenden Wandel unterliegt. Solche Debatten blieben dabei jedoch nicht auf wissenschaftliche Fachorgane beschränkt. Internationale Tageszeitungen berichteten in regelmäßigen Abständen über Theorien von Klimaschwankungen oder loteten Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels aus. Zahlreiche Artikel verknüpften dabei Beobachtungen über Wetteranomalien oder einen Wandel klimatischer Verhältnisse mit einer Kritik an technischen Veränderungen in der Moderne. So wurde beispielsweise 1922 in der New York Times diskutiert, inwiefern der Bau eines Eisenbahnviadukts in Florida dazu führen könne, dass in Europa eine neue Eiszeit anbräche. Bereits 1907 hatte ein Leserbrief die drahtlose Telegraphie für das schlechte Wetter verantwortlich gemacht.

Ausgehend von dieser Beobachtung möchte der vorgeschlagene Beitrag Diskussionen um den Klimawandel in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in internationalen Zeitungen und Zeitschriften als Zeitdiagnosen analysieren. Es soll gezeigt werden, wie sich in der zeitgenössischen Öffentlichkeit Beobachtungen zu Klimaveränderungen und Witterungsanomalien mit kritischen Perspektiven auf gegenwärtige und zukünftige Zeiten verbanden.

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