Der Beitrag bürgerlicher Fensterstiftungen an der Ausstattung spätmittelalterlicher Kirchenbauten

An der Schwelle zum 16. Jahrhundert stehen in Freiburg mehrere Projekte vor ihrer Vollendung, die einen besonderen Rahmen für das Bedürfnis der Bürgerschaft nach Repräsentation schaffen. Im Zuge der Fertigstellung des Münsterchores bemüht sich der Rat der Stadt Freiburg für dessen prestigträchtige Ausstattung frühzeitig um die Ansiedlung von Kunsthandwerkern aus den kulturellen Zentren am Oberrhein. Neben dieser künstlerischen Kompetenz obliegt dem Rat vermutlich auch die Koordination über die Vergabe der riesigen und aufgrund ihrer visuellen Präsenz begehrten Fensterplätze an die finanzkräftigen Stifter.

Gleichzeitig zum Münsterchor entsteht mit dem Umbau der Kartause ein weiterer Ort bürgerlicher Repräsentation. Für die aufwendige Ausstattung von Kirche und Kreuzgang kann der Prior zahlreiche Stifter aus seinem universitären und klösterlichen Wirkungsumfeld gewinnen. In der Gegenüberstellung beider Projekte stellt sich nicht nur die Frage der Finanzierung großer Ausstattungsprojekte am Vorabend der Reformation. Bemerkenswert erscheint mir auch die Überlegung, wie sich das gestiegene Repräsentationsbedürfnis mit der Abgeschiedenheit eines Klosters verträgt, dessen Kunstwerke der öffentlichen Wahrnehmung weitgehend entzogen sind. Dass das habsburgische Freiburg anders als die benachbarten Zentren von den Folgen der Reformation verschont blieb, dürfte eine nicht unerhebliche Rolle für das große Engagement der Bürgerschaft für den Kirchenbau gespielt haben.

ReferentIn