„Cloud-busting“: Materialität, Arbeit und Energie in der globalen „Digitalen Ökonomie“

In der Diskussion um die Digitale Ökonomie zirkuliert die Vorstellung, dass materiell greifbare Produktionsmittel zunehmend sekundär geworden seien. Der Vortrag wird diese Wahrnehmung infrage stellen und sich dezidiert den materiellen Bedingungen der Digitalen Ökonomie unter globalhistorischer Perspektive widmen.

So wird durch Bezug auf die Methoden der "material culturestudies" nach der Gewinnung von Rohstoffen, der Produktionsketten und den Arbeitsbedingungen in der Montage von essenziellen Bauteilen der digitalen Welt wie Prozessoren, Platinen und Chips gefragt. Dabei ist vor allem die historische Genese der globalen Arbeitsteilung und der damit verbundenen Machteffekte in der Kupfer- und Halbleiterindustrie zu betrachten. In diesem Kontext sollen auch der Energiebedarf und die Energieversorgung von Rechnern und Rechennetzwerken sowie ihre infrastrukturellen Grundlagen analysiert werden. Dabei sind mit Telefon- und Stromgesellschaften Industriezweige zu untersuchen, die sich durch grosse Staatsnähe und Monopolisierungstendenzen auszeichnen. Aus der Infrastrukturperspektive ergeben sich somit auch interessante Vergleichsmöglichkeiten auf verschiedene Wege der Digitalisierung und der jeweiligen Bedeutung staatlicher und öffentlicher Förderung.

Zuletzt werden einige Überlegungen über die Wahrnehmung des "Verschwindens" der materiellen Grundlagen der Informationstechnologie, ihrer historischen Gründe und ihrer ökonomischen, ökologischen und politischen Konsequenzen angestellt. So ist zu fragen, aus welchen Gründen die technischmateriellen Grundlagen der Informationstechnologie unter möglichst glatten und geschlossenen Oberflächen versteckt werden und ihre Software-seitigen Funktionsprinzipien den NutzerInnen nur schwer zugänglich sind.

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