Erfinderinnen und Eigentumsrechte. Geschlecht und die ökonomischen Grundlagen von Innovation im 19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurde Innovation als ein wichtiger Motor der industriellen Entwicklung und des ökonomischen Wachstums verstanden. Während die meisten Patente in dieser Zeit von Männern eingereicht wurden, kritisierte die Frauenrechtlerin Matilda Gage bereits in den 1880er Jahren, dass Frauen als Erfinderinnen weitgehend unbeachtet blieben. Sie betonte, dass die Umstände dafür nicht in den intellektuellen Fähigkeiten von Frauen zu suchen seien, sondern in ihrem eingeschränkten rechtlichen Status. In ihrer mangelnden ökonomischen Unabhängigkeit waren Frauen im 19. Jahrhundert in ihrer erfinderischen Tätigkeit beschnitten – dies betraf sowohl ihre finanziellen und eigentumsrechtlichen Möglichkeiten, als auch das Recht auf geistiges Eigentum. Ausgehend von ihrer Kritik an den beschränkten Eigentumsrechten von Frauen in den Vereinigten Staaten erkundete Gage in ihrem Buch Woman, Church, and State (1893) Formen von weiblichem Eigentum in ‹alternativen› Gesellschaften wie etwa der in Nordamerika lebenden «Irokesen» («Haudenosaunee»), bei denen sie eine «natürliche Gleichheit der Bedingungen» ortete. Während Matilda Gage seit den 1990er Jahren als wichtige Stichwortgeberin für eine Kritik an der Nichtbeachtung von Frauen in der Wissenschaft gilt, nimmt dieser Beitrag ihr Werk als Ausgangspunkt, um den Diskurs über geschlechterspezifische Ökonomien und Utopien von Eigentum, Innovation und intellektueller Arbeit im späten 19. Jahrhundert zu analysieren.

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