Luxus als Gefahr für die Handelsrepublik

Der Vortrag behandelt den Umgang mit Luxus in den Niederlanden. Dieser findet sich v.a. in den ‘spektatorialen’ Periodika der 1760er und 1770er, einer Art moralischen Wochenschrift, die die Sitten der Zeitgenossen kritisierte. Ein Spezifikum der niederländischen Aufklärung ist der Fokus auf den wahrgenommenen Niedergang der Handelsrepublik, den Zeitgenossen v.a. mit einem Verfall der Moral begründeten. In diesem Zusammenhang spielte die Frage nach Luxus und Überfluss an Reichtum eine wichtige Rolle. Allerdings, so die These, der im Vortrag nachgegangen wird, unterscheidet sich der niederländische Umgang mit diesem Problem von anderen europäischen Debatten über Luxus. Anstatt Handel und Kommerz wurde die Finanzwelt kritisiert. V.a. Investoren in ausländische Staatsschulden wurden verantwortlich gemacht für den Verlust der vormaligen Bedeutung der Vereinten Provinzen im internationalen Warenverkehr. Ihnen wurde vorgeworfen, das bequeme, luxuriöse Rentierleben dem aktiven Handeltreiben vorzuziehen, den Wohlstand der Nation zu gefährend und damit ihre Pflichten als Bürger zu verletzen. Dieses Streben nach einem Überfluss an Reichtum wurde von den Autoren der spektatorialen Periodika sogar als eine Gefahr für das zukünftige Bestehen der gesamten niederländsichen Republik präsentiert.

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