Mobilitätsräume reicher Akteure. Exklusive Großstadtviertel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts

Das Londoner Westend, der Westen von Paris und die reichen Stadtteile in Hamburg ähneln sich in ihrer Beschaffenheit sehr. Neben hohen Immobilienpreisen sind diese großbürgerlichen Stadtteile seit der Industrialisierung Orte des Reichtums. Ihre BewohnerInnen weisen in ihrer Sozialstruktur eine hohe Stabilität auf und der Wohnort der „guten Adresse“ dient seit jeher als Ausdruck der sozialen Repräsentation ihres Reichtums. Abgesehen von diesen Kontinuitätslinien spielen die exklusiven Großstadtviertel eine bedeutende Rolle als Mobilitätsräume reicher Akteure in einer globalen Geographie von Reichtum. Wie Untersuchungen zeigen, zeichnet sich die Gruppe der Reichen durch eine erhöhte Mobilität aus. Neben temporären Begegnungsorten wie Grandhotels und bekannten Ferienorten sind es vor allem spezifische Stadtteile in Großstädten, in denen inländische wie ausländische Reiche aufeinander treffen und in einer Nachbarschaft zusammenwohnen. Neben einer „einheimischen“ Oberschicht sind es auch zunehmend Reiche aus dem Ausland, die sich dort Wohnungen kaufen. Aber auch Botschaften vor allem westlicher Länder befinden sich in den reichsten Vierteln der westeuropäischen Großstädte. Diese Stadtviertel erscheinen dadurch einerseits als ein internationaler Transitraum hochmobiler reicher Menschen. Andererseits weisen die „einheimischen“ Oberschichten eine hohe Sesshaftigkeit auf, die sich auf Generationen erstreckt. Interessant erscheint vor allem für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich durch eine starke Urbanisierung und Globalisierung auszeichnet, die Frage nach dem Zusammenleben und der Soziabilität der Oberschichten vor Ort sowie nach möglichen sozialen Konflikte in diesen Mobilitätsräumen. Auch aus einer gesellschaftlichen Perspektive auf das gesamte Stadtgefüge, ist zu diskutieren, ob sich nicht gerade in exklusiven Großstadtvierteln eine globale Oberschicht in einer Parallelwelt abgrenzt und sich vor Ort eine besondere Form der „gewollten Segregation“ zeigt.

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