Die Berechnung der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung als nationalstaatliche Praxis. Die Verhandlungen um eine Schweizer Produktionsstatistik 1920-1980

Mit der Unterscheidung zwischen Vermögen und Einkommen veränderte sich nach 1800 das abendländische Reichtumskonzept. Dieses beschränkte sich fortan nicht mehr auf den materiellen Besitz, sondern umfasste neu auch die Arbeitskraft als wertschöpfenden Faktor im Produktionsprozess.

Dieser Begriffswandel zeigte sich in der Verbreitung der modernen Buchführung, welche mit der doppelten Buchung der wirtschaftlichen Aktionen den Wertschöpfungsvorgang nachvollziehbar machte. Dennoch setzten sich in der Betriebswirtschaft vor allem Gewinn und Umsatz als Leistungsindikatoren durch, während die Berechnung der Wertschöpfung sich vor allem nach 1945 als makroökonomische Wissenskategorie etablierte. In der Schweiz ging die Frage nach der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung mit der Debatte um eine Produktionsstatistik einher.

Anhand dieser soll aufgezeigt werden, wie sich die Berechnung der Wertschöpfung als nationalstaatliche Praxis trotz massiver Widerstände der Wirtschaft durchsetzen konnte.

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