Das globale Klassenzimmer: Schweizer Geschichte ist immer auch Migrationsgeschichte

Die Geschichte der Schweiz ist immer auch Migrationsgeschichte. Ab den 1880er Jahren wurde das Auswanderungsland Schweiz zu einem Einwanderungsland. Das spiegelt sich auch im Ausländer*innenanteil, der im 20. Jahrhundert zwischen 5 und 20% schwankte und gegenwärtig bei rund 25% liegt. Allerdings weisen auch bedeutende Teile der Bevölkerung mit Schweizer Pass einen sogenannten Migrationshintergrund auf. Gebürtige Schweizer*innen mit einem Elternteil aus dem Ausland zählen allerdings bei dieser eher engen Definition des BfS als «ohne Migrationshintergrund» – der Anteil derjenigen Schweizer*innen, die sich als «mit Migrationshintergrund» identifizieren, dürfte insgesamt also durchaus höher als die 13.5% zu veranschlagen sein.

Diese demographischen Veränderungen schlagen sich auch in den Klassenzimmern der Gymnasien nieder, in denen vermehrt Schüler*innen mit internationalerem Hintergrund anzutreffen sind. Der Sprung ins Gymnasium ist für diese Kinder bzw. Jugendliche aus verschiedenen Gründen nicht immer einfach. Haben sie die Selektionshürde geschafft, tragen sie aufgrund ihrer Herkunft einen grossen Reichtum in die Schulen, der gerade auch im Geschichtsunterricht produktiv genutzt werden und den eurozentrischen (manchmal noch schlichter: westeuropäischen) Blick aufbrechen kann. Neben der Hinterfragung der Periodisierung der Geschichte, der Neufokussierung von Schweizer und allgemeiner Geschichte auf ihre globale Vernetzung kann auch die Klasse selbst ins Zentrum gerückt werden, denn das globale Klassenzimmer ist – je nach Region und Einzugsgebiet – teils oder vollständig bereits Realität.

In meinem Beitrag möchte ich anhand eines konkreten Beispiels – einer Spezialwoche mit einer Klasse mit Schüler*innen, die alle im weitesten Sinne einen «Migrationshintergrund» haben – aufzeigen, wie Schüler*innen mittels oral history Teile ihrer Familiengeschichte bearbeitet haben, welche Vor- und Nachteile dieser Ansatz hat und inwiefern er dazu beitragen kann, den Geschichtsunterricht globaler zu machen, zu erweitern und zu bereichern.

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