Patriarchat und wirtschaftliche Ungleichheit im Imperium Romanum

Unsere Sektion untersucht das Verhältnis zwischen Geschlechter- und wirtschaftlicher Ungleichheit in Europa und im Mittelmeerraum der Vormoderne. Unser besonderes Augenmerk gilt den Gesellschaften des Imperium Romanum, in dem viele für die spätere europäische Geschichte typische Eigentumsformen ihren Ausgang nahmen.

Einerseits sind wir interessiert an der Rolle, die Frauen bei der Verwaltung, Erhaltung und Vererbung von Familienbesitztümern spielten. Über wieviel Autonomie verfügten Töchter, Gattinnen und Witwen eines pater familias bei der Verwaltung ihrer Erbgüter in verschiedenen Gesellschaften? Wie gestaltete sich das Zusammenspiel ihrer Rollen mit dem Wandel sozialer, religiöser und politischer Ordnungen, der beispielsweise zu langjährigen Abwesenheiten männlicher Familienmitglieder, zu neuen Familienkonzepten, zur Entstehung oder der Desintegration von Netzwerken und zu massiven Umverteilungen von Ressourcen führen konnte?

Andererseits wollen wir den Zusammenhang zwischen Geschlechterungleichheit und Eigentumsordnung in den Blick nehmen. Inwiefern legten die Institutionen römischen Rechts die Fundamente für eine besondere Form von Patriarchat, das für die Geschichte europäischer Gesellschaften und ihrer kolonialen Ableger typisch werden würde? Besondere Aufmerksamkeit gilt hier dem Verhältnis rechtlicher Normen und sozialer Praktiken.

Neben juristischen und literarischen Quellen sollen nach Möglichkeit auch epigraphische Zeugnisse (insbesondere Epitaphien), Papyri und archäologische Hinterlassenschaften berücksichtigt werden.

Wir freuen uns über Proposals aus dem Bereich der antiken Geschichte oder späterer Epochen.

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