«Bankenmacht» - Der Schweizer Finanzplatz im Fokus gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Kritik in den 1970er und 80er Jahren

Mittwoch, 5. Juni
14:30 bis 16:00 Uhr

Der Schweizer Finanzplatz erlebte nach dem Zweiten Weltkrieg einen rasanten Aufstieg zum globalen Finanzplatz. Dieser wirtschaftliche Erfolg führte zu einer Kumulation von wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und politischer Macht, die ab den 1970er Jahren durch gesellschaftliche und politische Akteure zunehmend kritisiert wurde und auch grundsätzlich in Frage gestellt wurde. So bezeichnete der Genfer Soziologe und SP-Politiker Jean Ziegler in seinem Buch «Eine Schweizer, über jeden Verdacht erhaben» die Schweizer Banken 1976 als «Hehler» der globalen Finanzsysteme und denunzierte sie als Profiteure der globalen Ungleichheit. Das Buch von Ziegler artikulierte eine damals in linken und entwicklungspolitischen Kreisen bestehende grundsätzliche Kritik am Schweizer Finanzplatz. Geprägt von einem marxistischen Argumentationsrahmen beinhaltete diese Kritik drei Argumentationslinien, die Jakob Tanner 1994 analysiert hat. Erstens wurde die Kritik an den Banken mit der Ablehnung des kapitalistischen Weltsystems und der Rolle der Banken in diesem System kombiniert. Zweitens verbanden die Kritiker_innen den wirtschaftlichen Erfolg des Finanzplatzes mit ökonomischer Macht und assoziierten damit auch eine politische Macht der Banken in der Schweiz. Drittens erachtete man die Stellung der Banken im globalen Finanznetzwerk als so herausragend, dass dadurch die nationalstaatliche Souveränität bedroht war.

Diese latente Kritik an den Banken erreichte 1977 mit dem sogenannten «Chiasso-Skandal» einen innenpolitischen Kristallisationspunkt. Im Frühjahr 1977 musste die Schweizerische Kreditanstalt (SKA) in einer Medienmitteilung illegale Machenschaften der SKA-Filialleitung in Chiasso einräumen. Die Kritiker_innen reagierten auf den Chiasso-Skandal mit dem Ruf nach einer Verstärkung der staatlichen Aufsicht und Kontrolle über die Banken und nach einer Reform der gesetzlichen Richtlinien für die Finanzinstitute in der Schweiz. Der Chiasso-Skandal stand damit am Anfang einer grundlegenden Debatte über die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Rolle der Banken in der Schweiz. Diese innenpolitisch scharfe Debatte wurde auf verschiedenen Ebenen geführt und beeinflusste den Diskurs und das Bild der Banken in der Schweiz auf nachhaltige Art und Weise.

Das geplante Panel ««Bankenmacht» - Der Schweizer Finanzplatz im Fokus gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Kritik in den 1970er und 80er Jahren» thematisiert die bankenkritische Debatte aus unterschiedlichen Perspektiven. Der Hauptfokus soll dabei auf u.a. auf folgenden Leitfragen liegen: Welche wirtschaftlichen Entwicklungen führten zur Wahrnehmung einer «Bankenmacht»? Wie äusserte sich diese «Bankenmacht» in den 1970er und 1980er Jahren? Welche Strategien der Kritik wählten kritische Akteur_innen? Wie verhielten sich die Banken in der innenpolitischen Debatte? Welche Rolle übernahmen staatliche und zivilgesellschaftliche Akteure? Welche Auswirkungen hatte die Debatte auf die Stellung der Banken in der Schweiz?

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