Reichtum, Rhetorik und Macht von Demosthenes bis Trump

In demokratischen politischen Systemen der Vergangenheit und Gegenwart sind die Faktoren Reichtum und Macht oft eng verknüpft und beeinflussen oder bedingen einander. Um den politischen Aufstieg und so die Einflussnahme auf Meinungen in einer Gesellschaft zu erreichen, kommt jedoch noch ein weiterer entscheidender Faktor hinzu: Wer sich im politischen System durchsetzen will, muss die Fähigkeit besitzen, eine grosse Gruppe von Menschen von sich, seinen Ansichten und Zielen überzeugen zu können. Dadurch wird politische Rhetorik zu einer zentralen immateriellen Ressource, die Reichtum und Macht generiert und deren Einsatz in der Politik im Gegensatz zum materiellen Reichtum kaum Grenzen gesetzt sind, da alleine das Publikum entscheidet, ob es den Worten Glauben schenken will.

Diese Wechselwirkungen zwischen den Faktoren Rhetorik, Reichtum und politischer Macht sollen im Zentrum dieses epochenübergreifenden Panels stehen. Es interessiert, wie Politiker und Politikerinnen Rhetorik verwenden, um sich politische Macht zu verschaffen und welche Rolle dabei immaterieller und materieller Reichtum als Voraussetzung, als angestrebtes Ziel sowie auch als Thema der politischen Rede selbst spielt. Dabei möchten wir zeigen, dass auch die Rhetorik selbst in ihrer Vielfalt eine Form von immateriellem Reichtum darstellt, den politische Akteure sowohl in der Antike wie auch der Moderne benötigen, um sich im System durchzusetzen und Macht zu generieren. Denn sowohl die stilistisch hochstehend elaborierte antike griechische Rede als auch die oft bewusst einfach gehaltene moderne populistische Rede funktioniert im Grunde nach ähnlichen Mechanismen und verfolgen dasselbe Ziel: das Publikum soll dem Gesagten Glauben schenken und den Redner positiv werten.

Für dieses Panel legen wir einen methodischen Fokus auf die Analyse von Framing von politischen Botschaften in der öffentlichen Rede, also dem Interpretationsrahmen, der dem Publikum von einem Redner nahegelegt wird. Es interessiert, wie diese spezifische Form von Rhetorik damals und heute eingesetzt wird und wie Framing auf ein Publikum wirken kann. Daran soll aufgezeigt werden, wie ein Reichtum an rhetorischen Strategien als Ressource dienen kann, um soziales Kapital und politische Macht zu generieren sowie auf welche Art und Weise das Thema Reichtum in der politischen Rhetorik selbst aufgegriffen und zum eigenen Vorteil eingesetzt wird.

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