Formen und Funktionen der Inszenierung materiellen Reichtums durch Mitglieder der römischen Oberschichten (1. Jh. v. Chr.-5. Jh. n. Chr.)

Freitag, 7. Juni
14:15 bis 15:45 Uhr

In der römischen Antike stellte der in der Regel auf Grossgrundbesitz beruhende materielle Reichtum eine wichtige Voraussetzung dar, um zu den Oberschichten gezählt zu werden. Damit zusammenhängend wurde eine standesgemässe Lebensweise und aktive Beteiligung am öffentlichen Leben erwartet. Vielfach fungierten Angehörige des Ritter- (ordo equester) und Senatorenstandes (ordo senatorius) entsprechend als patroni von Einzelpersonen, ganzen Familien oder Gemeinden, übernahmen politische Ämter in der Reichsverwaltung oder kamen im Rahmen des antiken Euergetismus für die Kosten öffentlicher Bauten sowie die Ausrichtung von Spielen auf. Literarische und archäologische Zeugnisse verweisen zudem auf die luxuriöse Wohnsituation der römischen Oberschichten. In reich ausgestatteten Landgütern widmeten sich Ritter und Senatoren in ihren Mussestunden (otium) philosophischen Fragestellungen oder nutzten die Distanz zur Hauptstadt dazu, Fragen zur Verfassung des römischen Staatswesens mit Gleichgesinnten zu erörtern. Entsprechende Beschreibungen finden sich bereits um die Zeitenwende in den Schriften von M. Tullius Cicero und C. Plinius Caecilius Secundus, die das Schaffen nachfolgender Autoren massgeblich prägten. Noch im 4. Jh. n. Chr. besingt etwa der Dichter Ausonius in seiner Mosella luxuriöse Villenanlagen, die sich in der Nähe der Herrscherresidenz Trier befanden. Wie die Ausformulierung scharfer Kritik an übertriebenem Luxus zeigt, unterlag die Inszenierung von Reichtum dabei einer regen Überwachung und Kontrolle vonseiten einzelner Vertreter des Ritter- und Senatorenstandes.

Das geplante Panel soll die Möglichkeit bieten, in interdisziplinärer Weise gezielt über die Herkunft sowie Aspekte der Inszenierung von Reichtum im Imperium Romanum während des 1. Jhs. v. Chr. bis zum 5. Jh. n. Chr. zu diskutieren. Ein Schwerpunkt soll dabei auf der Betrachtung des Habitus von Angehörigen der römischen Oberschichten liegen, der sich anhand von Einzeluntersuchungen der als standesgemäss wahrgenommenen Selbstdarstellung in ländlichem und in städtischem Umfeld sowie der damit verbundenen Sittenvorstellungen, die sich im Laufe der Zeit radikal wandelten, punktuell beschreiben lässt. Ein weiterer Fokus wird auf den Quellen materiellen Reichtums liegen. Hierbei stehen primär wirtschaftliche Funktionsbauten, die durch Angehörige der römischen Oberschichten in Aufrag gegeben wurden, insbesondere im Hinblick auf ihre architektonische Bildsprache im Zentrum der Aufmerksamkeit. Eine Analyse der Formen und Funktionen der Darstellung materiellen Reichtums erlaubt es zudem, Rückschlüsse auf politische Herrschaftsstrukturen im Spannungsfeld von Kontinuität und Transformation während der römischen Antike zu ziehen.

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