Soziale Aspekte der früh- und vormodernen Vermögensstrafe

Der Entzug von Reichtum und Vermögensgrundlagen als Strafe findet sich in allen Epochen der Vormoderne. Im Zentrum der Erforschung dieses transepochalen Phänomens standen bisher die juristischen und ökonomischen Faktoren sowie die Person des Deliquenten, dem sein Reichtum entzogen wird. Anliegen dieses Panels ist es, den Fokus vermehrt auf das soziale Umfeld des Delinquenten zu legen und die Folgen des Vermögensentzugs für dieses Umfeld zu beleuchten. Im Zentrum des Panels sollen Fallbeispiele aus der Antike, dem Mittelalter und der Frühneuzeit stehen.

Das soziale Umfeld umfasst in erster Linie die Familie des Delinquenten, aber auch politische Netzwerke oder finanziell abhängige Gruppen. Als ein antikes Beispiel sei der Entzug des Reichtums eines pater familias durch den römischen princeps genannt. Von den Auswirkungen der Bestrafung des pater familias sind sowohl seine Frau, Kinder und Enkel direkt betroffen, deren ökonomischer und politischer Handlungsspielraum eingeschränkt wird, als auch die sozial abhängigen römischen clientes, deren soziales Kapital in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Für das hohe und späte Mittelalter zeigt sich ein ähnliches Bild beim Entzug eines Lehens. Vom Verlust des Lehens als Grundlage des adligen Reichtums sind erneut die Familie des Delinquenten, aber auch die lehnsgebundenen Vasallen, die im Lehen lebenden Bauern sowie die vom Adligen finanzierten klerikalen Institutionen betroffen. Auch in der spätmittelalterlichen Stadt wird mit der Stadtverbannung eines Bürgers nicht nur ihm die Grundlage des Vermögens durch das nicht mehr mögliche Ausüben eines Berufes genommen. Ebenso betroffen sind die Familie und Lehrlinge des Delinquenten, aber auch politisch-ökonomische Gruppen wie Zünfte oder Stadträte, in denen der Delinquent aktiv war. In der Frühneuzeit gibt es mit der seriellen Überlieferung von Gerichtsakten und juristischen Texten die Möglichkeit Einzelfälle komparatistisch in Bezug zu setzen. Ebenso kann das Zusammenspiel von Landflucht und Sequestrations oder das Supplikenwesen mit den vormodernen Aspekten in Vergleich gezogen werden.

Im Fokus des Panels stehen sowohl die Konsequenzen der Vermögensstrafe für das soziale Umfeld als auch Strategien des Umgangs mit dieser Bestrafung. Gibt es normative Setzungen, dass ein Teil des Reichtums als Existenzsicherung der Familie behalten werden darf? Gibt es für die Familie oder politische Gruppen die Möglichkeit Einspruch zu erheben, wie es im mittelalterlichen Strafrechtssystem für Körperstrafen möglich ist? Welche Formen der Solidarität oder Ausgrenzung mit dem Delinquenten gibt es in den jeweiligen transepochal verschiedenen Kontexten?

Das Panel stellt den transepochalen Vergleich in den Vordergrund. Mit Miriam Bastian (Antike), Lukas Barwitzki, M.A. (Mittelalter) und Prof. Dr. Thomas Lau (Neuzeit) sind alle drei Zeitbereiche in der Organisation und im Kommentar vertreten. Fallstudien aus Archivquellen, die aktuell in den schweizerischen Archiven erschlossen werden, sind ausdrücklich erwünscht, um den Facettenreichtum des Themas abzustecken.

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