Precious Gifts? Der Wert von Geschenken und das Problem mit der Zirkulation

Das hier vorgeschlagene Panel knüpft an zwei Diskussionen der letzten Jahre an, die im Zuge des internationalen Aufschwungs kultur- und globalgeschichtlicher Ansätze epochenübergreifend geführt wurden: Schenken und Zirkulationsdiskurse. Das Überreichen und Annehmen von Gaben gilt seit Marcel Mauss‘ nun beinahe 100-jährigem Essay "sur le don" als Kernphänomen des sozialen Austausches. Sowohl familiale, kommunale, zwischenherrschaftliche und interkulturelle Formen sozialen Austausches weisen Muster von Geschenkökonomien auf. Mit Maurice Godeliers Vorschlag, das Geschenk als zweidimensionales Gut zu verstehen, das sowohl aus einer Gabe (nicht monetär bestimmbar) und dem Handelswert des Geschenks (monetär bestimmbar) besteht, öffnete sich die sozialtheoretische Diskussion des Phänomens hin zu einer kulturwissenschaftlich informierten Wirtschaftsgeschichte.

Im Panel sollen die aktuellen Theorieangebote im Rahmen globalgeschichtlicher Ansätze zur Diskussion gestellt werden. Gerade in der globalgeschichtlichen Forschung finden sich vermehrt Beschreibungsmodelle, die auf Zirkulation zurückgreifen. Wie jüngst von Stefanie Gänger im Journal of Global History kritisch angemerkt, ermöglicht Zirkulation die Beschreibung von tatsächlich zirkulativ operierenden Systemen, jedoch fehlt dem Begriff die Möglichkeit, Formen der Diffusion, der Wertgenerierung oder der Transformation adäquat zu fassen. Davon ausgehend wollen wir am Beispiel konkreter Geschenke und einem vergleichenden Blick auf Schenkpraktiken das Beschreibungsmodell der Zirkulation kritisch prüfen.

Indem wir (diplomatische) Schenkökonomien in Mesoamerika, Asien und der Schweiz in den Blick nehmen, wollen wir nicht bei der Beschreibung von Geschenkszenen verbleiben, sondern nach dem "material life" der geschenkten Güter fragen und welche Werttransformationen diese durch das Schenken und – im Falle diplomatischer Geschenke – nach den oft zeremoniell aufgeladenen Schenkinszenierungen durchliefen. Zirkulation konnte dabei von zweifacher Bedeutung sein: nicht nur Objekte selbst wechselten Ort und Besitzer/-in, sondern auch das Wissen über deren Funktion und Anwendungsbereiche. Dies konnte sich insbesondere in der Vormoderne auf das Aushandeln von Machtverhältnissen auswirken. So galten etwa Pferde als beliebte diplomatische Geschenke. Pferde konnten jedoch ganz unterschiedliche wirtschaftliche und symbolische Wertvorstellungen mittransportieren, die jenseits des Schenkaktes neu verhandelt werden mussten. Konnte beispielsweise durch geschenkte arabische Hengste eine neue Zuchtlinie an einem spanischen Hof etabliert werden, wirkte das Geschenk ganz materiell in die Repräsentationskultur und Abstammungsdiskurse hinein.

Bei dem Versuch Geschenke empirisch und theoretisch mit einer Diskussion über Zirkulation als globalgeschichtlichem Ansatz zu verbinden, gewährt das Panel nicht nur neue Einblicke zu wertvollen Gütern und eine Erweiterung zum symbolischen Reichtum bestimmter Geschenke, sondern beantwortet auch, inwieweit sogenannte Zirkulationsprozesse Anteil an Wertgenerierung und -transformation hatten.

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